wenn der Gelbton irgendwie nicht mehr passt

 

Das neue Gelb

Eine bewährte Farbe zeigt sich in einem neuen Gewand und sorgt damit für grosse Begeisterung.

Aus der Praxis: ich bin auf dem Weg zu einem Kunden den ich vor 10 (oder sind es bald 15?) Jahren beraten habe. Ein neues Farbkonzept muss her, hat er mir am Telefon erklärt. Die Firma habe sich verändert und nun sollten auch die Räume wieder angepasst. Die Farben seien zwar immer noch stimmig, aber irgendwie passen sie halt doch nicht mehr so ganz.
Nach einer freundlichen Begrüssung und einem kurzen Austausch wie es uns beiden die letzten Jahre so ergangen ist, machen wir einen Rundgang durch die Räume.
Und ich muss sagen er hat recht: die Räume wirken freundlich, einladend und sehr harmonisch, aber irgendwie hat man das Gefühl die Zeit sei stehen geblieben. Das Unternehmen ist in der Finanzbranche tätig und wir hatten damals verschiedene grau Töne (Möbel und Teppiche) kombiniert mit dunkelblau (Logo) und sonnengelb (einzelne Farbstreifen an der Wand) gewählt. Die Möbel, der Teppich und auch das Logo würden bleiben, aber das Gelb müsse ersetzt werden, so lautete meine Aufgabe. Was auf den ersten Blick einfach erscheint, kann manchmal sehr knifflig sein: ein weitere Farbton in kühlen Bereich kam für mich nicht in Frage, da die Räume sonst unterkühlt gewirkt hätten. Rot? Nein, das ist eine zu konflikthafte Kombination. Orange? Wirkt irgendwie schnell billig. Braun? Zu träge. Die Lösung war schlussendlich verblüffend einfach und dennoch ideal. Ich habe dem Geschäftsführer wieder ein Gelb vorgeschlagen. Aber halt nicht mehr ein leuchtendes Sonnengelb, sondern ein Ockergelb mit einem leicht goldenen Unterton. Das Resultat war perfekt. Die Räume haben durch diese kleine Anpassung eine grosse Veränderung erfahren und der Aufwand hielt sich im überschaubaren Rahmen.
Dieses ockergelb, auch goldocker oder bernsteingelb genannt, sieht man jetzt immer mehr. Vor 10/15 Jahren wäre das undenkbar gewesen. Ein reines leuchtendes gelb musste es sein, „ verunreinigte“ Gelbtöne waren tabu. Heute gibt man dem Gelb oft einen leichten braunen Unterton und die leuchtenden Farbtöne werden eher belächelt. Was bleibt ist das Bedürfnis, zu den heute oft vielen kalten Farbtönen, mehr Wärme in den Raum zu bringen. Egal ob man es nun als sonnengelb oder ocker verpackt. Die Kraft vom Gelb wird uns in der Raumgestaltung immer wieder begleiten.

Praxistipp:

Wagen Sie mal was Neues! Ockerfarbene Bettwäsche und ein paar florale Dekokissen bringen neue Inspiration ins Schlafzimmer.