Bereits im frühen Stadion eines Embryos entwickelt sich der Tastsinn und es ist der Sinn der auch im Alter noch am längsten erhalten bleibt. Unsere Umgebung mit den Händen zu erfassen ist so normal, dass wir es gar nicht mehr bewusst wahrnehmen.

Auf Tuchfühlung mit unserem Zuhause

Bereits im frühen Stadion eines Embryos entwickelt sich der Tastsinn und es ist der Sinn der auch im Alter noch am längsten erhalten bleibt. Unsere Umgebung mit den Händen zu erfassen ist so normal, dass wir es gar nicht mehr bewusst wahrnehmen. Die Kaffeetasse am Morgen fühlt sich anders an als die Türklinke und die Computertastatur ist so vertraut, dass wir beim Kauf einer anderen uns richtig umgewöhnen müssen. Alles ist selbstverständlich und oft unbewusst. Interessant ist das Wort „begreifen“, es hat den Tastsinn mit dem „etwas verstehen“ in ein einziges Wort gepackt. Kleinkinder nehmen alles in die Hand, wollen es berühren um zu begreifen. Betagte Menschen berühren oft ihre Umgebung mit den Händen, streicheln die Stuhlehne oder fahren über die Decke die auf ihren Beinen liegt. Der Tastsinn ist ein wichtiger Sinn und die Haut mit ihren Nervenzellen unsere flächenmässig grösste Möglichkeit mit der Umwelt Kontakt aufzunehmen.

Was hat das nun mit der Einrichtung zu tun? Warum ein Blog über den Tastsinn? Was unsere Haut berührt, berührt uns. Was sich gut anfühlt, tut uns gut. Unsere Umgebung wird manchmal als dritte Haut bezeichnet. Wie ist diese Haut? Berührt sie uns positiv?

Wohnen passiert mit dem gesamten Körper. Wir gehen barfuß über den Boden, liegen mit nackten Beinen im Bett, lehnen uns an Möbel, Türen, Wände an. Je nach Körperteil nehmen wir Oberflächen auch unterschiedlich wahr. Wenn es nun darum geht etwas auswählen, ist es gut wenn man sich vorgängig Gedanken gemacht hat, wie und womit man berührt werden möchte. Bei einem Arbeitsplatz hat man die Unterarme im Kontakt mit der Tischplatte. Möchte ich es eher kühl und erfrischend? Oder soll es eher warm und weich sein? Je nach dem könnte das Material Glas, Kunststoff oder Holz sein.

Mein Sofa: mag ich kühles Leder oder eher weicher Stoff? Gehen Sie auf Tuchfühlung mit ihren bestehenden Materialien im Raum, was passt, was nicht? Was könnte mit einem zusätzlichen Accessoire verändert werden? Ein Plaid aus Seidenstoff bringt Kühle, ein Schreibtischunterlage aus Leder Wärme. Je nach Material kann sich die Wirkung auf uns stark verändern.

Sich Zeit nehmen bei der Auswahl bewährt sich auf jeden Fall. Neben Optik, Preis und Funktion ist es auch gut einen Moment die Augen zu schliessen und sich ganz auf den Tastsinn zu besinnen. Möchte ich so berührt werden? Im Sinne von Yin und Yang (siehe früherer Blog) ist es auch gut, sich mit den verschiedensten Materialien zu umgeben und so eine ausgewogene Mischung und eine lebendige Raumwirkung zu schaffen. Weich, hart, rauh, glatt, kantig, rund. Es gibt so viele Möglichkeiten den Raum über Berührung zu erfassen.